tenplusfünfnico

10+5: critical journalism in residence

10+5 haben vom 1. bis 5. Mai als Redaktion in residence alle Veranstaltungen begleitet und entstandenes Material auf dieser Website veröffentlicht.

10+5 ist eine online Publikation für kritischen Journalismus. Wir wollen einen Raum für den offenen Austausch und die Diskussion radikaler Ideen bieten. 10+5 ist unabhängig. Wir finanzieren uns nicht durch Werbung und beziehen auch sonst keinerlei Gelder von Dritten.

andere über uns (fn)

„10+5 wollen nicht möglichst objektiv über allgemeine Belange berichten. Sie sind auch kein Wirtschaftsunternehmen, das kundenorientiert Leistungen verkaufen will. Sie verfolgen politische Ziele – und bekämpfen die politischen Gegner.“

(fn) So objektiv beschreibt eine Behörde ihre politischen Gegner:
http://www.bpb.de/politik/extremismus/linksextremismus/33630/medien?p=all

10+5: Auf nach Zürich!

1. Mai 2013

titel_Regenhuette

Dieser Beitrag wurde vom Redakteur*innen und Autor*innenkollektiv 10+5 verfasst, welches die Veranstaltungsreihe der neuen Dringlichkeit vom 1.5. bis 5.5. journalistisch begleitet hat.

Es besteht die Gefahr, dass wir heute, wenn wir eine Reise antreten, bereits all das wissen und gesehen haben, aufgrund dessen es uns überhaupt an unser Reiseziel verschlägt. Dem Internet sei Dank umgehen wir gefährliche Orte, ungeschickte Verhaltensweisen und das schlechte Wetter wesentlich sicherer, als noch zu Zeiten der Reiseführer in Buchformat. Mit der zunehmenden Planungssicherheit und dem Gefühl, alles schon einmal im Internet oder im Film virtuell bereist und gesehen zu haben, wächst aber auch das Bedürfnis nach vermeintlich authentischer Erfahrung. Erfahrung, die über das Wissen und Sehen hinausgeht. Als solche schien oftmals vorschnell jene zu gelten, die noch nicht massenhafter bildhafter, berichteter oder beworbener medialer Vermittlung und Funktionalisierung zum Opfer gefallen ist. An diese Entwicklung schließt sich heute eine, die Menschen als Touristen in Kriegs- und Krisengebiete führt. Weniger die Orte in ihrer Geschichtlichkeit, als die womöglich davon abgeschnittenen Ereignisse der Gegenwart ziehen uns an. In Kriegs- und Krisengebieten ist nicht nur deren mediale Vermittlung brüchig. Auf einer Erde, auf der kein Fleck unentdeckt bleiben darf, ermöglichen sie vermeintlich unbefleckte, authentische Erfahrung. Wir bereisen Ereignisse, keine Orte.

Der Ort, an dem das Ereignis in seiner Ereignishaftigkeit und in seiner medialen Vermittlung als Erfahrung verhandelt, und im besten Fall reflektiert wird, ist das Theater. Es erlaubt eine Reise in eine andere Welt oder in eine andere Sichtweise auf die Hiesige. Dabei ist es nicht nur Raum und Zeit für Erfahrungen, die potentiell eintreten könnten oder jene, die wir als wünschenswert oder schön empfinden. Das moderne Theater versucht oftmals, Schluss zu machen mit Geschichten und Illusionen. Das gute Theater erfordert Nachdenken über das Erfahren und seine medialen, räumlichen und zeitlichen Bedingungen. Das vollbringt es nicht (nur) als Institution. Theater findet in Hinterhöfen, Nebenbühnen, auf der Straße – in den Köpfen – statt. Theater meint heute, an die stetig schwindende Möglichkeit der Erfahrung überhaupt zu mahnen. Wo sie aufgegeben wird, dankt auch das Subjekt möglicher bewusster Veränderung ab. Als Mahnung und im besten Fall vielleicht auch als Möglichkeit der Erfahrung selbst ist das Theater nicht ortsgebunden.

DSC_0222

Darin kommt es der modernen Reise nahe. Die moderne Reise flieht durch Orte, die keine sind. Sie bietet keine Erfahrung und entspricht darin unseren Erwartungen, insofern sie immer mehr von ihrem Ziel, ob Urlaubsressort oder Meeting, bestimmt wird. Flüge ersetzen Autofahrten, die Bahnfahrten ersetzen, die Kutschfahrten ersetzen, die Wanderungen ersetzen. Die Wanderung schließlich bleibt nur scheinbar befreit vom Zweck; jenem der Erholung von der Arbeit stets noch untergeordnet. Die moderne Reise verlagert die Reise an Orte, die keine sind – Leerstellen des Tauschs, Knotenpunkte kapitalistischer und menschlicher Mobilität – Flughafen- und Bahnhofshallen, Flugzeuge und Züge, die nach den Regeln des Kapitalismus, nach Konsum und Arbeit, möglichst zweckdienlich gestaltet werden. Ihnen fehlt, was Orte zu Orten macht: die Möglichkeit, Erfahrungen in der Gegenwart zu machen, eine Geschichte zu erzählen. Aus ihnen gehen wir nur scheinbar nicht verändert hervor.

Tatsächlich sind wir um eine Erfahrung ärmer, möglicherweise um einen Wutanfall wegen einer Störung in der reibungslosen Reiseabfertigung reicher. Diese Wutanfälle finden ihren Grund wiederum in der Getriebenheit derjenigen, die um die Millionen fürchten müssen, denen sie für die Betriebe Anderer stets hinterher fliegen; in dem Wunsch, diesen Betrieben zu entfliehen und in der Erinnerung an den eigenen Überlebenskampf, ausgelöst durch den Anblick der Gesichter der prekär Beschäftigten bei Abflug und Ankunft. Die Wut findet ihren Grund in der Erinnerung daran, dass wir selbst im Nirgendwo noch, nicht nur mit fremdem, sondern dem eigenen Leben zu tun haben, und es uns doch mit aller Macht selbst untersagt haben, daran erinnert zu werden. Und fliegen wir um die halbe Welt, um in die Oper zu gehen, vertreibt diese, wenn sie gut ist, uns abermals, weigert sich (auch), Ort zu werden, um selbst noch eingespannt zu werden in die verschwimmenden An- und Entspannungsrythmen der modernen Arbeitswelt. Das gute Theater heute beugt sich nicht unserer Forderung nach einem reibungslosen Ablauf.

sponti-zwei

Der reibungslose Ablauf dieses Reisens steht dem Ablauf des guten Theaters, der Reibung ist und wo-möglich gar kein Ablauf mehr, entgegen. Desto öfter wir reisen, so scheint es, desto schneller geht es. Desto weniger Zeit und damit Möglichkeit zur Erfahrung wird dem Reisen in der Reibungslosigkeit von A nach B eingeräumt. Theater versucht dagegen, die Zeit selbst zu sprengen. Erfahrung, immer in einem Zeitpunkt entsprungen, überdauert diesen in der bewussten Erfahrung. Während wir in der Erfahrungslosigkeit des Reisens dem Ereignis hinterher laufen, schafft das Theater den nötigen Sprung aus der Zeit; einen Bruch, der bewusste Erfahrung erst ermöglicht. Eine einminütige Theateraufführung birgt mehr und tiefere Erfahrung als ein zehnstündiger Flug. Das Theater entkleidet uns für einen Moment vom Konsumzwang. Nicht umsonst wird die andere Seite des Theaters, die Sicherheitsvorführung im Flugzeug noch oftmals von Menschen vorgestellt. Wo die Menschen von Stewardess bis Manager geistig und körperlich uniform sind, ist die Aufführung die letzte Möglichkeit, uns selbst innerhalb dieser Maschinerie wahrzunehmen. Nachdem wir aus der Maschine von Berlin ausgestiegen sind, freuen wir uns auf eine schöne Zeit im Theater in Zürich.

10+5: Warum es wichtig ist, über Geld zu sprechen, auch wenn es nicht das größte Problem unserer Gesellschaft ist

4. Mai 2013

prestige-bank

Dieser Beitrag wurde vom Redakteur*innen- und Autor*innenkollektiv 10+5 verfasst, welches die Veranstaltungsreihe der neuen Dringlichkeit vom 1.5. bis 5.5. journalistisch begleitet hat.

Jede Woche 20 Euro zu verbrennen schafft ein Gefühlsmoment der Befreiung. Davon berichtete Stefan von der Neuen Dringlichkeit am 1. Mai auf dem Spontanfestival von „Let’s talk about money, honey“. Woher kommt das? Aus der Notwendigkeit, Geld zu haben, entsteht fortwährend das Gefühl, eine Last zu tragen, die uns auferlegt wurde, und die wir, komme was wolle, zu akzeptieren haben. Diese Last ist so schwer, dass wir unser Leben nach ihr richten, immer wieder Pläne schmieden, wie wir an Geld kommen können – am besten an viel Geld. Wie befreiend ist daher das Gefühl, sich dieser Last für einen Moment zu entledigen! Nicht daran denken zu müssen, dass dieser Fetzen bedrucktes Papier unserem Leben erst Bedeutung verschafft!

Geld als Notwendigkeit

Wir haben Bedürfnisse, die wir befriedigen, Wünsche und Sehnsüchte, die wir erfüllen und Verantwortungen, denen wir nachkommen wollen. Geld ist das Mittel, mit welchem wir genau dies realisieren können. Auch wenn manche Dinge nicht käuflich zu erwerben sind, wie Freundschaften, Liebe und Familie, können wir ohne Geld nur schwerlich überleben. Es gibt uns die Möglichkeit, fast alles zu tun, was wir wollen. Man überlege sich doch nur einmal, in einen Supermarkt zu gehen und zu fragen, ob man seine Lebensmittel im Einkaufswagen auch umsonst bekommen könne. Oder man biete der Verkäuferin an, mit alten Briefmarken oder seinen Stickeralben aus der Kinderzeit bezahlen zu wollen. Unverständnis, Groll oder ein Lachen würden uns entgegnet, wir mit leeren Händen hochkant aus dem Laden befördert werden.

Was den Umstand der Notwendigkeit des Geldes nun so problematisch macht ist, dass nicht alle in gleichem Maß über es verfügen. Ungleichheit im Geldvermögen ist die Ursache unserer Empörung. Die einen schwimmen im Geld, die anderen besitzen gerade genug zum Leben – und eine erschreckend große Zahl hat fast nichts davon. Je geringer das Geld, desto eingeschränkter unsere Möglichkeiten. Genau dieser Umstand, dass manche Menschen alles tun können, während andere am Existenzminimum leben, macht uns zurecht wütend.

Was uns an Geld noch ungerechter erscheint, ist der Umstand, dass viele es besitzen, ohne irgendetwas dafür getan zu haben. Wir kommen mit unterschiedlichen Möglichkeiten auf die Welt, je nach den Umständen, in die wir geboren werden. Geld bestimmt den Verlauf unseres Lebens: Man schaue sich nur an, wie wenige Kinder aus einkommensärmeren Schichten auf Gymnasien gehen, studieren oder später einen gut bezahlten Job bekommen! Die Undurchlässigkeit einer hierarchischen Gesellschaft wird vor allem durch Geld markiert.

Die „Geld kann man nicht essen!“-Ideologie

Der Umstand, dass sich auf den Finanzmärkten Geld vermehren lässt, ohne einen realen Bezug zu Gütern zu haben, ist doch absurd! Während in der von Marx beschriebenen Anhäufung von Kapital wenigstens noch ein Bezug zu einem realen Gegenstand vorhanden war, wird diese heute mehr und mehr von immer kreativeren Formen der Mehrwertschöpfung abgelöst. Auf Finanzmärkten wird Geld aus sich selbst heraus vermehrt. Ein Schuldschein kann plötzlich Millionen einbringen, wenn man ihn nur richtig verpackt.

Dagegen stelle man sich Tauschgesellschaften vor, in denen man Ware gegen Ware tauschen könne, ohne über den Umweg eines Vermittlers gehen zu müssen. Würden wir für unsere Grundbedürfnisse (Kleidung, Nahrung etc.) selbst sorgen und das, was uns fehlt, tauschen, gäbe es keine so starken Ungleichheiten mehr, da die meisten Güter, anders als Geld, nicht in rauen Mengen gehortet werden können. Der Gedanke, dass Geld abgeschafft werden müsse, speist sich aus der Einsicht, dass die Welt mit Geld schlecht funktioniert und dem Wissen, dass Geld nur so lange als Tauschmittel existiert, wie wir daran glauben. Hätten wir gelernt, mit Reiskörnern zu zahlen, würden auch diese den Zweck des Geldes erfüllen. Und Reis kann man wenigstens noch essen, Geld ist nicht essbar, im Endeffekt nutzlos!

Wenn wir es sind, die dem Geld überhaupt erst Wert geben, so können wir ihm diesen auch wieder nehmen. Was tun also? Wenn wir uns der Sphäre des Geldes zu entziehen wollen, heißt dies, alternative Lebensformen aufzubauen, Mikrogesellschaften, in denen wir anders wirtschaften – weg von Geld- und hin zu Tauschbeziehungen. Sich selbst loszumachen von der Gesellschaft, und Vorbild zu sein für andere, führt zu einer Veränderung des Bestehenden. So jedenfalls die Idee.

Geld als Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse

Die Idee, in kleinen Tauschgesellschaften eine gesamtgesellschaftliche Veränderung herbeizuführen, ist nicht neu. In den 1970er und 1980er Jahren versuchten Menschen, genau dies in Kommunen zu praktizieren. Der Effekt war gering. Der Großteil der Gesamtgesellschaft fühlte sich nicht von ihnen angesprochen; was als politische Handlung gedacht war, verkam zu einem rein individualisierten Akt. Die Landkommune, als sich selbst versorgende Einheit, wurde nicht zu einem Vorbild alternativen Lebens, sondern führte zur Isolation von der Gesellschaft. Menschen, die aus der Gesellschaft austreten, verabschieden sich also von dieser und ihren Mitgliedern.

Die Vorstellung, dass Geld abgeschafft werden sollte, ist falsch. Das Scheitern der Kommune-Idee ist Beweis genug. Aus der Einsicht, dass Geld von Menschen gemacht wird, folgt nicht, dass wir uns auch gegen dieses Konstrukt wehren könnten oder sollten. Vielmehr muss es darum gehen, nicht außerhalb von der Gesellschaft, sondern innerhalb dieser Veränderungen zu bewirken.

In der Ablehnung von Geld kommt eine erstaunliche Verwechslung zum Ausdruck: Wenn Menschen die Missstände der Gesellschaft aufzeigen, dann geht es ihnen letztlich nicht darum, dass Geld per se schlecht ist, sondern darum, dass es ungleichmäßig verteilt ist. Allerdings ist diese ungleiche Verteilung von Geld lediglich ein Ausdruck einer ungleichen Verteilung von Eigentum.

Das Problem nur im Geld zu suchen, wäre eine verheerende Simplifizierung gesellschaftlicher Tatsachen. Genauso wie wir durch Geld erst bestimmte Dinge konsumieren und erwerben können, ermöglicht uns der Kauf von z.B. Aktien oder Immobilien, Geld zu erwirtschaften. Weiter werden wir in Familien mit unterschiedlicher Bildung und Einkommen geboren. Je höher diese, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, später viel oder zumindest ausreichend Geld zu verdienen. Was hier vorliegt sind unterschiedliche wirtschaftliche Machtverhältnisse, die zwar durch Geld potenziert, aber nicht durch dieses kreiert werden.

Eine Diskussion über gesellschaftliche Ungleichheit muss daher die Machtverhältnisse in den Vordergrund rücken. Dazu gehören nicht nur eine ökonomische Machtverteilung, sondern auch andere soziale Hierarchien, die Ungleichheit verursachen und verstärken. Dies ist ein weiterer Grund, warum sich die Kommune als so aussichtslos erwies, um gesamtgesellschaftliche Veränderungen zu erzeugen. Während dort versucht wurde, ohne Geld auszukommen, bestanden hierarchische Verhältnisse in den Kommunen fort, die sich aus den unterschiedlichen sozialen Positionen der Mitglieder ergaben.

Dennoch: let’s talk about money, honey!

Geld spielt dennoch eine signifikante Rolle, da durch Umverteilung ein Aspekt gesellschaftlicher Ungleichheit und Unterdrückung behoben bzw. eingedämmt werden kann. Umverteilung kann zum Beispiel über eine gerechte Entlohnung herbeigeführt werden. Gleichzeitig muss es Möglichkeiten geben, Menschen, die keine Arbeit haben, zu berücksichtigen. Stellen wir uns also vor, es würde nicht nur eine gerechtere Entlohnung existieren, sondern jede*r hätte genug, um seinen Wünschen nachzukommen. Die Last des Geldes würde verschwinden, wenn jeder Mensch eine Grundsicherung bekäme, um seine existentiellen Bedürfnisse zu befriedigen. Aus dem Akt des Verbrennens würde kein befreiendes Gefühl mehr entstehen, da es keine Notwendigkeit gäbe, von der wir uns loslösen wollten.

10+5: Wenn Solidarität praktisch wird

8. Mai 2013

Dieser Beitrag wurde vom Redakteur*innen- und Autor*innenkollektiv 10+5 verfasst, welches die Veranstaltungsreihe der neuen Dringlichkeit vom 1.5. bis 5.5. journalistisch begleitet hat.

Wir haben die Menschen in der Schweiz gefragt und 100% haben gesagt, Solidarität muss praktisch werden.

Karo und Moritz haben Solidarität praktiziert und fünf Tage Obdach, Küche und Toilette für kritischen Journalismus zur Verfügung gestellt. (So wie drei Fahrräder für fünf Menschen, um zur Party in der Spiserstraße zu fahren.) Ohne das wäre Journalismus dieser Tage sicherlich unkritischer gewesen.

Mattis und Kumpels haben Solidarität praktiziert und kritischem Journalismus die Schlafgelegenheit bei Caro und Moritz, fünf Isomatten und den ersten erfrischenden Kaffee am 1. Mai organisiert. Ohne das wäre Journalismus dieser Tage sicherlicher unkritischer gewesen.

Die Menschen von der neuen Dringlichkeit (nD) haben Solidarität praktiziert und kritischem Journalismus mit fünfhundert Stutz, Aufnahmegeräten, Möhren, Bananen, Nüssen und vielen positiven Rückmeldungen unter die Arme gegriffen. Joschi von nD hat kritischen Journalismus überhaupt erst davon überzeugt, nach Zürich zu kommen. Marcel von nD hat ’ne Runde Bier geschmissen. Leopold von nD hat kritischen Journalismus in der Stadt herumgezeigt, ein Pfannkuchenfest geschmissen und überhaupt einen Großteil seiner Zeit bereitwillig auf kritischen Journalismus verwendet. (Und wenn hier nicht alle Namen aufgezählt sind, dann ist das nur dem Umstand geschuldet, dass diese Aufzählung ein ganzes Stück so weitergehen könnte.) Ohne das wäre Journalismus dieser Tage sicherlich unkritischer gewesen.

Eirini hat Solidarität praktiziert und kritischem Journalismus Kontakte zum Theater Neumarkt vermittelt, so dass die Zürcher Prozesse nicht nur in der Schweiz Beachtung finden werden. Ohne das wäre Journalismus dieser Tage sicherlich unkritischer gewesen.

Boots Riley hat Solidarität praktiziert und kritischem Journalismus nach Konzert und anstrengender zweistündiger Podiumsdiskussion kritische Fragen beantwortet. Ohne das wäre Journalismus dieser Tage sicherlich unkritischer gewesen.

Als wir von 10+5 versuchten, Solidarität praktisch werden zu lassen, wurde uns das von der Zürcher Sauberkeitspolizei verwehrt. Mit einem Menschen Solidarität zu praktizieren, der versucht, mit zwei Menschen Solidarität zu praktizieren, die in den Augen uniformierter Ordnungshüter nicht gewaschen genug sind, passt nicht in das Zürcher Innenstadtbild. Der schikanösen Kontrolle solidarischer Menschen beizuwohnen, zieht in Zürich Bußgeld nach sich.
Die Sauberkeitspolizei nutzt Kräfteverhältnisse von neun Schlagstöcken gegen zwei Beutel, eine Photokamera und zwei Dosenbier, um ihren vorauseilenden Befehlseifer in die Tat umzusetzen und obdachlosen Menschen “einen guten Tipp” zu geben – sich gefälligst wieder aus Sichtweite der betuchteren Stadtbürger zu begeben. Oder um dem solidarischen Menschen zwischenzeitlich Handschellen anzulegen, damit er sich, sobald laufen gelassen, auch gut an sie erinnert. Aber auch, um kritischen Journalismus kurzen Einzelverhören zu unterziehen, in denen die allgemeine Einstellung von kritischem Journalismus zur Polizei einer eingehenden Prüfung unterzogen werden soll. Auch das natürlich Schikane – schließlich müssen sie ja wissen, dass keiner sie mag, so wie sie sich verhalten. Dadurch ist Journalismus dieser Tage sicherlich kritischer geworden.

Wir sind jetzt wieder zurück. Und dass wir trotzdem eine gute Zeit hatten, liegt an all den Menschen, die Solidarität haben praktisch werden lassen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s